Sonntag, 13. Mai 2012

Reisebericht Ruanda

Eine Reiseplanung hatten Felix und ich, als wir uns am 26.04 früh morgens nach Ruanda aufmachten, nicht angefertigt – um ehrlich zu sein hatten wir so gut wie keine Ahnung.
Aber das war auch erst einmal gar nicht so schlimm, da wir es an diesem Tag lediglich bis nach Kahama, einer Kleinstadt, dessen Bevölkerung zum großen Teil in der Goldmine eines britischen Unternehmens arbeitet, schafften. Dort trafen wir den Vater von Ema (gesprochen „Ima“) , unserem kleine Gastbruder. Seit Ema zwei oder drei ist wohnt er schon in Arusha bei Mama Neema, weil sich seine Eltern getrennt haben und anscheinend keiner der beiden die Verantwortung für den kleinen Ema übernehmen wollte.
Emas Papa hat uns auf jeden Fall freundlich empfangen und uns eine sichere Unterkunft besorgt sowie die Weiterfahrt am nächsten Tag für uns geregelt.
Am darauf folgenden Tag ging es um fünf Uhr morgens auf einem Motorradtaxi mit drei Mann und zwei großen Reiserucksäcken von unser Unterkunft zur Busstation. Wir stiegen dort in einen Überlandbus, welcher die Aufschrift „Bujumbura, BURUNDI“ trug; man versicherte uns aber zutiefst, dass wir noch an diesem Tag in Kigali, Ruanda ankommen würden.
Nachdem wir beide aus unserem nachgeholten Schlaf erwachten, warf ich einen besorgten Blick über unsere Landkarte, welche andeutete, dass wir uns bereits von der Hauptstraße zur ruandischen Grenze entfernt hatten und auf bestem Wege nach Burundi waren.
Irgendwann, nach Serpentinen-reichen Kurven und ohrenbetäubenden Motorengebrüll der Lastkraftwagen, die sich im Schneckentempo die Hügel hinauf quälten, hielt unser Bus abrupt im Nirgendwo an und man deutete uns an doch bitte auszusteigen. Auf uns wartete – vielleicht aber auch nur zufällig – ein Kleinbus, in den wir entstiegen, während sich der Reisebus in die Richtung aufmachte aus der wir gekommen waren....
Anders als erwartet gestaltete sich die Reise bis nach Kigali jedoch äußerst angenehm, mal abgesehen davon, dass unsere Gesäßmuskulatur uns die zwei Reisetage im Bus spüren ließ.
An der Grenze wurden wir höchst zuvorkommend von einem jungen Mann begleitet, von dem keiner von uns beiden so recht wusste, um wen es sich überhaupt handelte. Ohne Komplikationen und günstiger Weise auch ohne irgendwelche Dollar Noten am Immigrationsschalter zu lassen, wurden wir an der letzten Schranke dann doch noch in ein dunkles Militärhaus gewunken. Rucksackkontrolle. Aber nicht etwa nur um nach geschmuggelten Drogen, Waffen oder Diamanten zu suchen, nein, sondern ebenfalls sicher zu stellen, dass wir keine Plastiktüten nach Ruanda einführen. Richtig. Plastiktüten.
Seit einigen Jahren ist es nämlich gesetzlich in Ruanda verboten Plastiktüten zu verwenden, um die Umweltbelastung zu reduzieren. Ein Beispiel, das sich auch Tansania zu Herzen nehmen sollte.
Stadtzentrum
Doch dies sollte noch lange nicht das Ende der positiven Eindrücke Ruandas sein. Als wir in Kigali aus dem Bus stiegen, fühlten wir uns irgendwie allein gelassen. Etwas ganz Entscheidendes und Bekanntes fehlte. Warum wurden wir weder von aufdringlichen Taxifahrern, die einem die Gepäckstücke aus der Hand nehmen bevor man überhaupt „Nein, danke!“ sagen kann, noch von penetranten Mitarbeitern diverser Busorganisationen empfangen? Welch angenehmes Gefühl!
Daraufhin sind wir in ein Internetkaffee gegangen, um uns zu informieren wo wir am besten und günstigsten unterkommen können. Als wir eine Kleinigkeit an dem an das Internetkaffee gegliederten Restaurant essen wollten, wurden wir mit einem neuen, aber altbekannten, nun jedoch umgekehrten, Hindernis konfrontiert. Der Keller konnte kein Kiswahili, weder noch richtiges Englisch noch Französisch (beides Amtssprachen in Ruanda), lediglich Kinyarwanda, die Nationalsprache Ruandas.
Obwohl in ganz Ostafrika Kiswahili als Amts- und Verkehrssprache gilt, sprechen es in Ruanda meis nur die Menschen, die die Sekundarstufe besucht haben. Ebenso ist es mit Englisch und Französisch. Mittlerweile wird vorzugsweise auf Englisch unterrichtet, um sich mehr an das Bildungssystem der Ostafrikanische Union zu binden.
So kam es häufiger vor, dass wir nicht wussten in welcher Sprache wir mit jemanden kommunizieren sollten, auf der anderen Seite jedoch war es toll Französisch sprechen zu können und ein wenig Kinyarwanda zu lernen.
Was uns bereits nach der Taxifahrt auffiel ist, dass Ruanda, und insbesondere Kigali, relativ teuer im Vergleich zu Tansania ist. Alle Dinge kosten in etwa absolut das Gleiche, der ruandische Franc ist aber fast des Dreifache wert.
Das Lebensniveau in Kigali lässt sich ebenfalls nicht mit Tansania vergleichen. Ich habe bisher keine tansanische Stadt gesehen, die derart sauber, sicher und entwickelt ist.
Umuganda-Tag: Kein Auto unterwegs
An der Sauberkeit der Stadt ist die Bevölkerung sogar aktiv beteiligt: Immer am letzten Sonntag des Monats wird die Stadt gemeinsam von allen Einwohnern gesäubert (sogenannter Umuganda-Tag, der Tag der gemeinschaftlichen und gemeinnützigen Arbeit). Dieses Ritual wird konsequent von der ruandischen Regierung umgesetzt. Es werden Straßensperren errichtet und jeder, der sich nicht beteiligt, zahlt ein Bußgeld.
Außerdem ist Kigali, z.B. im Vergleich zu Arusha, extrem sicher. An jeder Straßenecke stehen bewaffnete Soldaten mit Maschienenpistolen, die Polizei ist angeblich kaum korrupt und an den großen Einkaufshäusern wird man regelmäßig kontrolliert.
Eine Vielzahl von Banken, Restaurants, Unternehmen und Geschäften bilden das reiche Stadtzentrum.

Am Eingang des Genozid Denkmals
Da ist es kaum zu glauben, dass dieser friedliche, sichere und schöne Ort vor 18 Jahren Schauplatz eines Völkermordes war, der mehr als 1,000,000 Menschen das Leben kostete.
In annähernd 100 Tagen, nämlich vom 06. April 1994 bis Mitte Juli töteten Anhänger der Hutu- Mehrheit, eine soziale Gruppe bzw. Kaste, schätzungsweise 75% der Tutsi Minderheit sowie moderate Hutu, die sich nicht an dem Völkermord beteiligen wollten.
In Kigali gibt es ein Genozid Denkmal, welches umfassend über die Geschehnisse des Völkermordes aufklärt und darüber hinaus eine zweite Ausstellung über weitere Völkermorde, die sich auf der ganzen Welt zugetragen haben.

Ich werde im Folgenden ein wenig über die Daten und Geschehnisse schreiben, die ich behalten habe. Natürlich ist dies nur eine grobe Zusammenfassung dessen, was sich damals ereignet hat. Sollte ich mich in ein paar Punkten irren, würde ich mich über eine Bemerkung freuen.

Die Bezeichnung „Hutu“ und „Tutsi“ diente vor der Kolonialzeit lediglich ökonomischer Zuordnung. Demnach wurden reiche Personen als „Tutsi“ bezeichnet und ärmere Menschen als „Hutu“. Rassistische Merkmale entwickelten sich erst während der Kolonialisierung durch die Deutschen 1899-1919, welche die Überlegenheit der Tutsi durch deren angebliche Abstammung von den Europäern legitimierten. Diese Ansicht wurden von den Belgiern übernommen, denen nach Ende des ersten Weltkriegs das Mandat für Ruanda erteilt wurde und sogar verstärkt, indem 1932 ein Personalausweis im Sinne einer Volkszählung eingeführt wurde auf dem gekennzeichnet war, ob es sich um einen „Tutsi“ oder einen „Hutu“ handle.
Von nun an wurden die „Tutsi“ weitestgehend von der „Kolonialmacht“ Belgien bevorteilt, sodass sich die beiden Gruppen zunehmend verfeindeten.
Die Hutu-Revolution führte 1961 zu einem Machtwechsel sowie einem Einparteienstaat. Viele Tutsi flohen zu dieser Zeit ins Ausland oder wurden vertrieben.
Präsident Habyarimana, ein Hutu, der durch einen Putsch an die Macht gekommen war, konnte kurzzeitig die Konflikte zwischen Hutu und Tutsi unterbinden. 1990 jedoch kam es zu einer Konfrontation mit der Tutsi Rebellenarmee, der Ruandischen Patriotischen Front, die von Uganda aus agierten. Zu dieser Zeit erfuhr die ruandische Regierung massive militärische Unterstürzung, allen voran durch Frankreich, um die Rebellenarmee zurückzuschlagen und um zugleich den Völkermord vorzubereiten. Trotz versuchten Friedensverhandlungen 1992 in Arusha, die in erster Linie das Ziel hatten, den ruandischen Flüchtlingen eine Rückkehr ins Land zu ermöglichen, konnten die Gewaltakte zwischen der Ruandischen Patriotischen Front und der Partei des Präsidenten Habyarimana nicht beschwichtigt werden.
Zur Vorbereitung des Völkermordes zählte systematische Propaganda und die Ideologie die Gruppe der Tutsi ausnahmslos zu vernichten. Die extremistische Hutu Zeitung „Kangura“ veröffentliche die „Zehn Geboten der Hutu“ in denen vor jeglichem Kontakt mit Tutsi gewarnt wurde.

Blick auf das Stadtzentrum von der Gedenkstätte aus
Die Regierung bediente sich ebenfalls des Radios, um ihre Hasspredigten zu verbreiten, da 40 % der Bevölkerung Analphabeten waren.
Der Völkermord wurde schließlich am 06. April 1994 ausgelöst, nachdem das Flugzeug von President Habyarimana beim Anflug auf Kigali abgeschossen wurde. Wer für dieses Attentat verantwortlich war, weiß bis heute niemand. Auf der einen Seite könnten es extremistische Hutu gewesen sein, die mit der Verhandlungsführung des Präsidenten während der Arushakonferenz nicht einverstanden waren oder aber Mitglieder der Ruandischen Patriotischen Front, um einen Bürgerkrieg heraufzubeschwören.
Noch in der selben Nacht begann der langwierig vorbereitete, systematische Völkermord. Die Premierministerin, die unter dem Schutz von UN-Blauhelmsoldaten stand, wurde ebenfalls in derselben Nacht ermordet. Zehn UN Soldaten starben, sodass die Mehrheit der Blauhelmsoldaten, die für die Durchsetzung des Arusha-Friedensabkommens eingesetzt wurden, abgezogen wurden.
Angeblich soll es sogar einen Informanten gegeben haben, der Informationen über den geplanten Völkermord an den Generalmajor der UN Friedenstruppe, Roméo Dallaire, weitergab. Dieser bat daraufhin bei seinem Vorgesetzten in New York um ein stärkeres Mandat, welches auch die Erzwingung des Friedens durch Waffeneinsatz legitimiert hätte. Dies alles blieb jedoch ohne Wirkung. Der Völkermord in Ruanda passierte in Gewissheit vieler westlicher Staaten, ohne jeglicher militärischer Reaktion zu dessen Unterbindung.
Tutsi, die Zuflucht bei UN Soldaten gesucht hatten, fielen nach deren Abzug der Soldaten ihren Mördern hilflos in die Hände.
Bei den Massakern wurden alle möglichen Mittel und Waffen eingesetzt. Mit Macheten, Speeren, Knüppeln, Nagelkeulen, Äxten und Hacken wurden die Opfer zur Strecke gebracht. Sexuelle Vergewaltigungen durch HIV infizierte Hutu wurde systematisch durchgeführt. Die Zahl der Vergewaltigungen wird von UNICEF auf 250,000 bis 500,000 geschätzt.
Opfer wurden gezwungen, ihre Ehegatten oder ihre Kinder umzubringen. Viele Eltern wurden vor den Augen ihrer Kinder erschlagen.

Häufig suchten Opfer in Kirchen oder Schulen Schutz. Wir haben in der Nähe von Kigali in Ntamara eine Gedenkstätte besucht, an der ca. 5,000 Menschen starben. Eine unglaubliche Summe, wenn man sich der winzigen Größe des Kirchengeländes bewusst ist.
Gedenkstätte Ntamara
Häufig war der Klerus in die Massaker eingeweiht, sodass die Menschen in dem Glauben in Sicherheit zu sein, schutzlos ausgeliefert niedergemetzelt wurden.

 Die juristische Aufarbeitung des Völkermordes in Ruanda findet übrigens ebenfalls hier in Arusha statt. Der internationale Strafgerichtshof erhebt gegen den Kreis der hochrangigen Drahtzieher des Völkermordes Anklage. Felix und ich hatten letztes Jahr im November bei einer Anklage zugeschaut.

Es ist ein unbeschreibliches, merkwürdiges Gefühl zu wissen, dass die Menschen, die einem in Ruanda begegnen mit hoher Wahrscheinlichkeit entweder Täter oder Opfer des Genozides waren.
Ich habe mit mehreren Menschen gesprochen, die von ihrem Schicksal gesprochen haben. Ein junger Mann, den ich abends in einer Bar getroffen habe, erzählte mir, dass er der einzige Überlebende seiner Familie sei. Sein Bruder hatte sich damals schützend auf ihn geworfen, bevor er erdolcht wurde. Über eine Hilfsorganisation ist er schließlich nach Kampala gekommen und lebt derzeit in Nairobi, Kenya. 
 
Eines der zahlreichen Plakate zur Erinnerung an den Genozid
Es ist zugleich krank zu welch Taten die Menschen damals bewegt wurden (teilweise haben sich lang befreundete Menschen gegenseitig umgebracht!!) und zugleich beeindruckend, in wie weit sich die Menschen verziehen haben und nun zusammen an der Entwicklung des Landes arbeiten. Seit 2000 ist Paul Kagame, der damalige Führer der Ruandischen Patriotischen Front, Präsident von Ruanda und wurde meinen Informationen zufolge 2010 mit großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt. Die Menschen, denen ich begegnet bin, berichteten mir, dass Paul Kagame sein Amt mir großer Seriosität ausübt und sie zufrieden mit seiner Arbeit sind.



Zwei Tage, nachdem Felix und ich in Kigali gewesen waren, stießen drei weitere Volontäre und zwar Marvin und Ole aus Mwanza und Frithjof aus Dar es Salaam zu uns. Die Drei kamen direkt aus Uganda, wo sie bereits eine Woche verbracht hatten.
Am nächsten Tag machten wir uns nach der Besichtigung der Gedenkstätte bei Ntarama nach Butare auf, welches im Süden von Ruanda liegt.
Im Nyungwe Nationalpark
Am darauf folgenden Tag wollten wir eigentlich im Nyungwe Nationalpark wandern gehen. Die Busfahrt dauerte jedoch aufgrund der vielen Hügel – nicht umsonst wird Ruanda „Land der tausend Hügel“ genannt – deutlich länger als geplant. Dies sollte uns jedoch nicht daran hindern am nächsten Tag eine Wanderung durch den Urwald zu machen. Um ehrlich zu sein, hat mich die Lust Nationalparks zu besuchen ein wenig verlassen, da ich die Preise persönlich zu hoch finde und es so viele andere – und auch kostenlose – Möglichkeiten gibt, die Natur eines Landes zu erkunden (das gleiche gilt auch für Tansania). Auf der anderen Seite ist es natürlich praktisch für Touristen derartige Orte auffinden zu können und darüber hinaus macht der Tourismus einen großen Anteil am Bruttoinlandsproduktes aus – ob das nun gut oder schlecht ist, ist wiederum ein anderes Thema.
Trotzdem hatten wir einen schönen Vormittag – auch, wenn die einzigen Affen, die wir zu Gesicht bekamen an der Rezeption lauerten, um uns unser Frühstück zu stehlen....

Unsere Unwissenheit über die Reise holte uns dann schließlich in Cyangugu direkt an der kongolesischen Grenze ein. Wir hatte darauf gesetzt auf einem Schiff den Lake Kivu in den Norden hochfahren zu können, um darauf hin ein paar Tage am Strand des angeblich nicht Bilharziose- verseuchten Sees zu entspannen. Doch es fuhren nur Frachtschiffe, die nicht bereit waren uns mit an Bord zu nehmen (obwohl uns auf dem Weg nach Cyangugu mehrmals bestätigt wurde, dass ein Passagierschiff fährt). In unserer Verzweiflung entwickelten sich wilde Theorien und Pläne, wie etwa in den Ostkongo überzusetzen und dann entweder von dort mit einem Schiff nach Goma am Nordspitzel des Lake Kivus zu fahren oder gleich mit dem Bus an den Villen der Warlords vorbei, die den Bürgerkrieg im Kongo unaufhörlich brutal vorantreiben, bis nach Goma zu fahren, nur, damit wir nicht die ganze Strecke über Butare und Gitamara in den Norden zurückfahren müssen.


 Letztlich scheiterten unsere Pläne an den immens hohen Visa-Kosten, sodass wir in elf Stunden mit dem Bus über Butare und Gitamara in die beschaulich schöne Stadt Gisenyi ganz im Norden von Ruanda fuhren und uns schworen, die nächsten zwei Tage keinen Bus mehr zu besteigen.
Letztendlich verbrachen wir also doch noch ein paar entspannte, sonnige Tage in Gisenyi, machten eine Stadtrundfahrt auf geliehenen Mountainbikes, ließen es uns (tagsüber) gut gehen im 5-Sterne Hotel Serena, spielten ausgelassen Volleyball am Strand und gingen doch nur im Hotelpool baden, da sich schließlich keiner in den Lake Kivu traute.

Insgesamt war es ein schöner, interessanter und informativer Urlaub, den wir in Ruanda hatten, auch, wenn wir unseren Nachfolgern sicherlich eine andere Reiseroute ans Herz legen werden!



Montag, 12. März 2012

Projektübersicht

Nachdem wir in letzter Zeit viele Artikel über Ausflüge und Urlaube geschrieben und die Berichterstattung über unsere Arbeit etwas vernachlässigt hatten, möchte ich euch in diesem Artikel einen Überblick über unsere drei großen Projekte geben, die wir im zweiten Halbjahr verfolgen werden.

  1. Das Schulprogramm

Über das Schulprogramm hatten wir ja schon einmal im November berichtet, als wir an der privaten Grundschule „Highridge“ mit dem Unterricht begonnen hatten.
Seitdem sind wir häufig in die Schule zurückgekehrt, haben insgesamt 10 Stunden unterrichtet und die Kinder kurz vor den Weihnachtsferien einen Test schreiben lassen. Nach den Ferien sind wir mit den Ergebnissen in den Unterricht zurückgekehrt und haben die Punkte noch einmal vertieft, die die Kinder nicht gründlich genug verstanden hatten.
Zum Abschluss wurde zu Anfang Februar die ganze Klasse noch einmal ins Kakute Office eingeladen, um ihnen an verschiedenen Stationen (Jatropha, Solar, Biogas) die Arbeitsbereiche von Kakute vorzustellen und den gelernten Stoff praktisch zu wiederholen.
Damit hatten wir mir der ersten Gruppe abgeschlossen.
Ende Februar ging es dann mit einer zweiten Gruppe weiter, wieder eine 30- köpfige Klasse, diesmal aber etwas älter im Durchschnitt, da wir aus den Erfahrungen mit der ersten Gruppe gelernt hatten, dass die Schüler aus Standard 3 zu jung sind.

Außerdem haben wir begonnen, jeden Freitag an der staatlichen Grundschule „Engira“ in Arusha zu unterrichten – jedoch auf Swahili!
Bisher fand der Unterricht zwei Mal statt.
Es ist auf jeden Fall deutlich schwieriger auf Kisuaheli zu unterrichten, nicht nur, weil unsere Sprachfertigkeiten noch nicht ganz ausgereift sind, sondern auch, da das Fachvokabular von vielen Schülern nicht sofort verstanden wird, was auch total verständlich ist, da nicht mal ein Durchschnittstansanier die Vokabeln für „Erneuerbare Energien“ oder „ Fossile Energieträger“ kennt.
Aber wir versuchen das Beste draus zu machen und planen auch demnächst eine Angestellte von Kakute mitzunehmen, die uns dann bei der Arbeit unterstützen kann.


Darüber hinaus haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wie wir das Schulprogramm nachhaltig und effektiv gestalten können.
Unsere Vorgänger hatten bereits ein Schulprogramm in Arusha gestartet und uns eine hilfreichen Kontaktperson überlassen. Nun wollten wir die Arbeit der Freiwilligenjahrgänge sinnvoll miteinander verbinden.
 
Die Hauptziele welche wir mit dem Schulprogramm verfolgen möchten, sind erstens, den Schulkinder Wissen über fossile Energieträger und deren Auswirkungen auf die Umwelt, Erneuerbare Energien und Umweltschutz zu vermitteln, zweitens das Interesse in Naturwissenschaften zu wecken und drittens die allgemeine Lebenssituation zu verbessern, indem die Kinder ihr Wissen in ihr soziales Umfeld tragen und dort für Veränderungen sorgen.
Auch in Deutschland, aber eben insbesondere in Tansania mangelt es an Fachkräften und gut ausgebildeten Ingenieuren. Wir wollten bewusst nicht nur den Fokus auf die Umweltaspekte und die Politik legen, sondern auch insbesondere auf die Technik, damit die Schüler Freude daran finden und sich vielleicht in der Sekundarstufe für den Schwerpunkt Naturwissenschaften und nicht, wie die meisten Tansanierinnen und Tansanier, für Literatur oder Sprachen entscheiden.

Weitere Zwischenziele, die dazu führen sollen, dass das Projekt Erfolg hat, sind, dass wir es schaffen die verschiedenen Schule über Jahre hinweg miteinander zu verbinden und ein Netzwerk aufbauen, welches die Aufnahme von Unterricht über Erneuerbare Energien in den Lehrplan der Schulen vorsieht. Diese Lobbyarbeit soll durch eine Mitgliedschaft bei der Tanzanian Renewable Energy Association (TAREA) unterstützt werden. TAREA ist auch die Organisation, die die Einsatzstellen für uns in der Zusammenarbeit mit der Deutsch-Tansanischen-Partnerschaft vermittelt und die größte Nicht-Regierungs-Organisation für Erneuerbare Energien in Tansania ist.
Eine Mitgliedschaft bringt viele Vorteile, wie zum Beispiel, dass die Schulen sich Unterrichtsmaterial über das Internet herunterladen und somit den Unterricht selbst gestalten können.

Dies führt uns auch gleich zu den Zielen, die unserer Meinung nach jeder Freiwillgenjahrgang bei Kakute verfolgen sollte, der sich mit dem Schulprogramm beschäftigt.
Wir haben uns vorgenommen die beiden Grundschulen „Highridge“ und „Engira“ ein Jahr lang zu begleiten, über Erneuerbare Energien zu unterrichten und sie als Mitglieder für TAREA zu werben. Ende April planen wir ein Seminar für die Lehrer beider Schule zu veranstalten, um diese weiter über die Inhalte zu unterrichten und zu klären, wie der Unterricht langfristig weitergeführt werden kann und zwar entweder, indem in Freistunden ein Workshop angeboten wird, so wie wir es gerade tun, oder ob Teile in den Physikunterricht übernommen werden können.
Wenn wir im August abfahren, sollte dann feststehen, wie es mit dem Unterricht an den Schulen weitergeht, sodass die nächsten Freiwilligen an anderen Schulen ein ähnliches Programm durchführen können und sich somit jedes Jahr das Netzwerk ein Stück vergrößert.

Noch können wir nicht absehen, in wie weit wir damit Erfolg haben werden. Gerade an der staatlichen Grundschule ist der Rückhalt durch die Lehrer noch ungewiss, wobei wir an der privaten Grundschule Highridge große Unterstützung durch den Lehrer Ali bekommen, der zwar leider ebenfalls im August die Schule verlassen wird, aber uns dabei helfen wird, andere Lehrer ebenfalls zu motivieren.


  1. Die Gründung einer TAREA Zweigstelle in Arusha

Die "Tanzanian Renewable Energy Association" hat ihren Hauptsitz in Dar es Salaam und zur Zeit eine kleine Zweigstelle in Mwanza am Viktoriasee.
Kakute, oder besser gesagt wir Voluntäre, haben vom TAREA Vorstand den Auftrag bekommen in den nördlichen Regionen in Tansania, sprich Kilimanjaro, Arusha und Manyara, eine Umfrage durchzuführen, um das potentielle Interesse an einer Mitgliedschaft von Unternehmen und Privatperson aus dem Bereich Erneuerbarer Energien festzustellen.
Sollten wir 20 potentielle Mitglieder unter den 116 zu befragenden Unternehmen/Privatpersonen finden, wird  eine Zweigstelle in Arusha eingerichtet werden.
Ob diese dann im Kakute Office selbst oder anderswo in Arusha Platz finden wird, steht noch nicht fest. Auch wer die Zweigstelle von TAREA dann leiten wird ist noch nicht zu sagen. Mr. Manyanga käme dafür vermutlich in Frage, sagt aber von sich aus, dass er nicht für die Leitung favorisitert werden will, weil die Umfrage von Kakute durchgeführt wird. 
Die nächsten Freiwilligen werden also vermutlich neben den üblichen Projekten von Kakute auch in die Führung der TAREA Zweigstelle in Arusha eingebunden werden.

Nachdem wir im Dezember anfangen haben eine Liste mit allen potentiellen Mitgliedern zu erstellen, wurde kürzlich unser Projektantrag samt Budget von ca. 500 € für Personal-Fahrt- und Verpflegungskosten von TAREA und der DTP akzeptiert, die unser Projektgeld verwalten.

Zuerst werden wir diesen Monat anfangen, in Arusha und der näheren Umgebung die Umfrage durchzuführen. Im April werden wir dann vermutlich in die Region Manyara und nach Moshi (Kilimanjaro-Region) fahren und dort auch einige Tage übernachten.


  1. Baseline Study in Themi

Baseline Study? In Themi? Was soll das bitte bedeuten?
Es geht darum, dass wir eine Umfrage über die allgemeine Lebenssituation in einem Bezirk von Arusha durchführen, da wir zum einen in diesem Bereich unser Schulprogramm implementieren und es gut ist, zu wissen, was der Bevölkerung vor Ort am meisten fehlt, damit man den Unterricht entsprechend den Bedürfnissen gestalten kann. Außerdem zählt das Gebiet grundsätzlich zum Arbeitsbereich von Kakute, von daher kam auch der Anstoß von Mr. Manyanga, die Umfrage dort durchzuführen.
Nach einen bestimmten Zeitraum wird dann meistens eine zweite, ähnliche Umfrage durchgeführt, die dann zeigt, in wie weit die Projekte die Lebenssituation verbessert haben.
Neben vielen allgemeinen Fragen über den Haushalt, legen wir natürlichen einen Schwerpunkt auf die Versorgung mit Energie und Strom und die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien, insbesondere Solarenergie.
Die Projektvorbereitung geht leider etwas stockend voran, da wir auf die Dorfältesten angewiesen sind, die uns während der Umfrage von Haus zu Haus begleiten sollen, damit die Dorfbewohner mehr Vertrauen zu uns haben und korrekt antworten.
Bis jetzt konnten wir leider immer noch kein Treffen mit den Dorfältesten organisieren, die eigentlich schon vor zwei Monaten einen extra für sie angefertigten Fragebogen ausgefüllt haben sollten. Aber wie es so ist in Tansania, lässt man sich Zeit, insbesondere wenn an anderer Stelle eine bessere Bezahlung winkt...
Insgesamt planen wir an die 200 Haushalt zu befragen, dafür dürften wir an die 15 Tage brauchen.
Sowohl die TAREA Umfrage als auch die Base-Line Study in Themi haben ihren besonderen Reiz, dass wir viel Erfahrung mit der Durchführung und der Evaluation von Umfragen machen.
Anfang nächster Woche werden wir auch für die Baseline Study unseren Projektantrag und das Budget an TAREA und die DTP schicken und hoffen, dass dieser auch akzeptiert wird.

Grundsätzliche Regel von TAREA und der DTP ist, dass 50 % der Projektkosten von der Einsatzstelle selbst kommen, damit nicht, wie es sonst leider im Freiwilligenjahr oft vorkommt, Projekte angefangen werden, die vor Ort gar nicht unterstützt werden.


Ich hoffe, dass ihr hiermit einen groben Überblick über unsere Arbeit bekommen habt und in Zukunft besser Bescheid wisst, wenn wir über die einzelnen Projekte berichten werden.


Sonntag, 4. März 2012

Der Kilimanjaro Marathon


Geschmackvoll designte T-Shirts von Vodacom!! ;)
Am 25.02 fand in Moshi der Kilimanjaro Marathon statt – und Felix und ich waren aktiv dabei! Na, gut, fast jedenfalls. Obwohl wir ja gerade im besten Alter stehen, hatten wir uns dann doch nicht getraut untrainiert die 42,2 Km in Angriff zu nehmen. Daher mussten wir uns mit dem 5 KM Fun Run begnügen, der jedoch auch seine Herausforderungen hatten. Eine bestand zum Beispiel gleich zu Anfang darin, nicht zu stürzen, als der "Startschuss" fiel und ca. 500 Menschen ohne Rücksicht los rannten, sodass einige Läufer (darunter auch eine Menge Kinder) zu Boden gerissen wurden. 


Pressefoto zusammen mit unserem Freund Ole aus Arusha
Wir beide überstanden dies jedoch ohne Blessuren. Dadurch hatte Felix jedoch eine deutlich bessere Ausgangsposition und kam schon nach sportlichen 20:30 Minuten im Ziel an, dicht gefolgt von meiner Persöhnlichkeit eineinhalb Minuten später.

Geprägt war das Event vor allem durch die Werbekampagnen von Vodacom und Kilimanjaro Breweries, die ihre Produkte gut zu vermarkten wissen. Insbesondere Vodacom verteilte im großen Stile T-Shirts und Taschen an die Läufer.


Es war auf jeden Fall ein tolles Erlebnis, für das sich die Fahrt nach Moshi gelohnt hat. Außerdem haben wir nun einen Halb-Marathon im April in der Nähe der Serengeti ins Auge gefasst, für den wir auch trainieren möchten.



Wir werden berichten!


Freitag, 2. März 2012

Der DTPower Film


Vor einigen Monaten hatte Hergen über das DTPower Solarprojekt berichtet, bei dem wir im Oktober viel mitgeholfen hatten. Dabei waren wir bei mehreren Installationen dabei, haben KAKUTE und DTPower bei verschieden Dingen unterstützt und natürlich auch selbst viel neues über Solarenergie, Projektmanagement und ähnliches gelernt.
Vor allem waren wir daran beteiligt, den extra aus Deutschland eingeflogenen Kameramann Norwin beim Dreh einer Kurzdoku für DTPower zu unterstützen. Wir waren drei Tage lang von Morgens bis Abends in den Dörfern, wo die Solarinstallationen stattfanden, unterwegs und aus vielen Stunden an Aufnahmen ist nun ein drei-minütiges Video herausgekommen. Trotz der gnadenlosen Kürzung haben sich die Arbeiten meiner Meinung nach gelohnt, hier der Link zum Video:


Ein Problem bei den Dreharbeiten war, dass viele Leute, vor allem in den ländlicheren Gebieten Arushas, nicht gerne gefilmt werden. Einen krassen Zusammenstoß hatte ich dabei mit einer Massai -Frau, von deren Haus bzw. typischen runden Hütte Norwin kurz nach seiner Ankunft eine Aufnahme gemacht hatte. Es ist eigentlich bekannt, dass man mit Bildern von Massai vorsichtig sein soll, ich war aber davon ausgegangen, dass ein Bild von einem Haus nicht sehr problematisch sein sollte. Die Frau kam jedoch wutentbrannt heraus und verlangte 50000 Tansanische Shilling von uns, umgerechnet 25 €. Dieser Betrag war natürlich maßlos übertrieben und generell sahen wir es nicht ein, für ein Bild von einem Haus zu bezahlen. Am Ende sind wir einfach gegangen während die alte Frau uns Beleidigungen auf Kimassai (der Massaisprache) an den Kopf warf und sind danach lieber auch nicht noch ein weiteres mal an dem Haus vorbei gelaufen...
Unter dem Gesichtspunkt, dass die Frau keinerlei Möglichkeit hatte, über das Foto zu entscheiden und auch nicht wie es in Deutschland der Fall wäre, selbst genau so Fotos von anderen Menschen und Dingen zu machen, ist ihr Standpunkt im Nachhinein in gewisser Weise verständlich.
Während des gesamten Drehs war leider außerdem ziemlich schlechtes Wetter, was das ganze natürlich schwieriger gemacht hat, da in einem Film für Solarenergie die Sonne eigentlich scheinen sollte. Aber leider waren die Installationen einfach in der Regenzeit; womit niemand vorher gerechnet hatte. Ansonsten wäre die letzte Szene des Films jetzt vermutlich eine untergehende Sonne über Arusha, ein wirklich romantisches Ende, oder?

Sonntag, 26. Februar 2012

Kälte, Schmerzen und pure Freude : Die Besteigung des Mount Meru!


Tagtäglich konnten Felix und ich seit unserer Ankunft den Blick auf den offiziell 4562,13 Meter hohen ruhenden Vulkan „Mount Meru“ genießen. Letztes Wochenende war es schließlich auch soweit, dass wir zusammen mit zwei weiteren DTP-Freiwilligen aus Dar es Salaam und Mwanza und zwei Praktikanten des deutschen Unternehmens DT Power den zweithöchsten Berg Tansanias besteigen konnten, welcher zugleich auch zu den höchsten ganz Afrikas zählt.

Der Mount Meru ist nur etwa 65 Kilometer in südwestlicher Richtung vom Kilimandscharo entfernt und liegt im Arusha Nationalpark. Ebenso wie das Kilimandscharo Massiv ist der Mount Meru durch vulkanische Aktivitäten entlang des ostafrikanischen Grabenbruchs entstanden. Vor gut 250.000 Jahren soll der Mount Meru sogar mal den Kilimandscharo überragt haben. Nach einer heftigen Eruption, bei der die östliche Hälfte des Kraterrandes weg gesprengt wurde, steht er seither im Schatten seines „großen Bruders“. Dies ist jedoch wieder ein Vorteil für alle, die abseits der Massen eine Herausforderung suchen.
Welcher der beiden Berge attraktiver oder gar anspruchsvoller zu besteigen ist, lässt sich bestreiten. Meiner Einschätzung nach, ist der Mout Meru aufgrund seiner Umwelt und Form jedoch landschaftlich und sportlich betrachtet  deutlich interessanter und außerdem ist die Gefahr der Höhenkrankheit zu erliegen eher gering.
Obwohl der Arusha Nationalpark einer der Kleinsten Tansanias ist und zudem das beliebteste Safari-Tier, der Löwe, dort fehlt, beheimatet der Park eine artenreiche Flora, die von Schatten- und Waldgewächsen über tropische Palmenarten bis zu alpiner Hochlandvegetation reicht. 
Teilweise erinnerte uns die Fauna und Flora an die wunderschönen Alpen daheim in Deutschland...


Tag 1:

Am frühen Samstagmorgen wurden wir von einem Bekannten zum Startpunkt in den Arusha Nationalpark gebracht.
Gestartet wurde vom sogenannten Momella Gate, welches auf gut 1500 Metern liegt.
Ganz unüblich für die meisten Touristen, die den Berg besteigen, hatten wir von der Anreise bis zur Verpflegung alles privat geplant. Außerdem trugen wir alle unser Gepäck selbstständig (gut 15 kg pro Person), lediglich für den Ölkocher und unser gemeinsames Abendbrot hatten wir uns einen Träger angeheuert, der vermutlich die leichteste  Besteigung seiner Karriere mit uns bestritten hat.
Nachdem wir eine gemeinsame Gruppe mit zwei Schweizern und einem äußerst stillen Amerikaner gebildet hatten, wählten wir die etwas längere, dafür aber nicht so steile Route (ca. 5 Stunden) bis zur ersten Berghütte, der Miriakamba-Hut, die auf 2514 Metern angesiedelt ist.



Tag 2:




Am nächsten morgen gegen 6 Uhr bewunderten wir gemeinsam den Sonnenaufgang hinter dem 5895 Meter hohen Kilimanjaro. Die zweite Etappe von der Miriakamba-Hut bis zur Saddle Hut führte uns über steile Holztreppen durch märchenhaften Bergwald. Entlang des serpentinenreichen Weges gaben viele Lichtungen fazinierende Panoramen frei, besonders auf den schneebedeckten Kilimanjaro. Nach gut 3,5 Stunden erreichten wir die zweite Unterkunft, die Saddle Hut (3570 Meter).
Nachdem wir uns kurz ausgeruht hatten und ein kräftiger Hagelschauer vorübergegangen war, ging es nachmittags ohne Gepäck auf den Little Meru (3801 Meter). Der kleine Abstecher lohnte sich auf jeden Fall sowohl wegen der tollen Aussicht als auch zur weiteren Höhenakklimatisierung.


Eigentlich ist die Wahrscheinlichkeit während der Besteigung des Mount Meru an der Höhenkrankheit zu erleiden eher gering, die Luft wird jedoch schon merklich dünner, wie einige von uns am nächsten Tag feststellen mussten.












Tag 3:

Nachdem wir alle ein wenig geschlafen hatten, brachen wir nämlich nachts um 1:30 Uhr zur Gipfeletappe auf, die es wirklich in sich hatte.
Nachdem wir relativ schnell den Rhino Point (3800 Meter) erreicht hatten, ging es deutlich langsamer voran, da es nämlich kräftig gehagelt hatte und die Temperaturen in dieser Höhe schon im Minusbereich lagen. Schwindelfreiheit war auch gefragt, als wir den steilen Kraterhang passierten. Zum Glück war es ja dunkel...
Obwohl wir, und insbesondere Robert, ein Praktikant des DT Power Unternehmens, der den Meru tatsächlich in Halbschuhen bestiegen hat (!!! Kein Scherz!!!), nicht perfekt ausgerüstet waren, war unser langsames Vorankommen zum Großteil durch unseren unerfahrenen Ranger bedingt, der vermutlich zum ersten Mal in seinem Leben auf Schnee und Eis gelaufen war.
Trotzdem kamen wir noch pünktlich um 6 Uhr morgens zum Sonnenaufgang am Gipfel, dem „Socialist Peak“, an und konnten uns an der atemberaubenden Aussicht erfreuen.
Der Name „Socialist Peak“ stammt übrigens aus der sozialistischen Zeit Tansanias unter Julius Nyerere. Bis zum Jahre 1960 hatte er noch einen deutschen Namen, da er zum deutschen Kolonialgebiet Ostafrika gehörte und 1904 von einem Deutschen zuerst bestiegen wurde (und sicher unter ganz anderen Bedingungen, als wir es getan haben).
Eigentlich hatten wir zu Anfang geplant den Mount Meru in vier Tagen zu besteigen. In diesem Falle wären wir nämlich am selben Tag lediglich bis zur Miriakamba- Hut abgestiegen.
Da wir aber gutes Geld sparen konnten und ansonsten viel Zeit am vierten Tag im Park verbracht hätten, sind wir den ganzen Weg (3000 Höhenmeter und ca. 25 km Wegstrecke) bis zum Momella Gate abgestiegen – leider etwas zu Lasten unserer Knie.
Einige von uns, darunter auch ich, hatten ebenfalls mit leichten Kopfschmerzen zu kämpfen – ein Anzeichen für die Höhenkrankheit AMS (Acute Mountain Sickness). Aufgrund der zunehmenden Höhe nimmt der Luftdruck und damit der Sauerstoff-Partialdruck ab. Durch die verringerte Sauerstoffaufnahme kann es zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff kommen, insbesondere bei starker körperlicher Anstrenung und rasch zunehmender Höhe. Die ersten Anzeichen sind hoher Puls, tiefe Atmung und leichtes Druckgefühl im Kopf (das drei von uns sechs auch gespürt haben). Abhilfe verschafft meistens einfach mehr Ruhepausen einzulegen oder sogar einen ganzen Tag auf der Hütte zu verbleiben, damit der Körper zusätzliche rote Blutkörperchen bilden kann. 
Da wir am selben Tag wieder auf 1500 Meter abgestiegen sind, ging es uns auch bald wieder besser.


Trotz aller Qualen und der ungewohnten Kälte, sind wir sehr zufrieden und werden diese Tour bis aufs weitere nicht so schnell vergessen! Wir können jedem, der mal nach Tansania kommt es weiterempfehlen den Mount Meru zu besteigen, insbesondere wenn man Kälte sowie steile Kraterrände nicht scheut und dem Massentourismus am Kilimandscharo entgehen möchte.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Urlaub

Es ist eine ziemlich lange Zeit vergangen, seitdem wir uns das letzte Mal gemeldet haben. Grund dafür ist, dass Felix und ich uns für gut einen Monat nicht mehr in Arusha, sondern in einer Reihe von anderen Orte in Tansania aufgehalten haben!
Nachdem Felix Eltern am 22.12. angekommen waren, haben wir gemeinsam Heiligabend bei unserem Chef Mr. Manyanga verbracht, der uns zum Abendessen mit seiner Familie eingeladen hatte. Am nächsten Tag ging es für Felix, seine beiden Eltern und seinen kleinen Bruder früh morgens auch schon los auf "Safari". Und zwar zuerst in den Tarangire Nationalpark, danach in den Ngorongoro Nationalpark und schließlich in die weltbekannte Serengeti.
Ich blieb noch einen Tag länger in Arusha, packte meine Reiserucksack, ging mit unserem kleinen Gastbruder Ima in die Kirche und feierte abends mit unseren Gastbrüdern und Schwestern zusammen den ersten Weihnachtstag.
Nach ca. 4 Stunden Schalf, wachte ich am 26.12 um 4 Uhr morgens auf, bereitete eine kleine Bescherung für unsere Gastfamilie vor (denn am 26.12. ist der sogenannte "Boxing Day", an dem die Geschenke verteilt werden) , bevor ich besorgt nach den Scheinwerfern des Taxis suchte, welches ich eigentlich für 5 Uhr geordert hatte. Wie sich herausstellte, war mein Taxifahrer noch im Halbschlaf, als ich ihn anrief.
Zum Glück erreichten wir aber trotzdem noch rechtzeitig den Überlandbus nach Dar es Salaam. Matthias, der Praktikant von DT Power, begleitete mich.
Mein "Weihnachtsgeschenk" erreichte mich auf dem Weg nach Moshi. Kaum zu glauben, aber wahr: Nach 5 Monaten in Tansania, sah ich zum ersten Mal den Mount Kilimanjaro!
Eine Seltenheit: Blick auf den den 5898 Meter hohen Kilimanjaro
In Dar es Salaam angekommen verbrachten Matthias und ich zwei nette Tage im Haus zweier DTP Volunteers, die mit zwei weiteren Deutschen und zwei tansanischen Volunteers zusammenleben.
Anschließend ging es auf die Kilimanjaro Fähre nach Zansibar, wo wir fast alle anderen Freiwilligen trafen und zusammen in der Gastfamilie von Kai, einem DTP Volunteer, wohnten.
Das absolute Highlight stellte aber sicherlich Silvester am Kendwa Strand im Nord-Westen von Sansibar dar, zu dem wir nach einigen Schwierigkeiten mit unseren Autos doch noch gelangten.  


Da eines der Autos aufgrund eines Motorschadens ausgefallen war, konnte auch nur die Hälfte von uns am Neujahrsmorgen nach Stone Town zurückkehren, die "Zurückgelassenen" unter denen ich glücklicherweise auch war, genossen jedenfalls einen wunderschönen Neujahrstag am Strand.

Am 04.01 fuhren wir alle gemeinsam nach "Machui", ein verschlafenes, kleines Dorf inmitten Sansibars. 






Dort fand unser Zwischenseminar statt, welches von uns Freiwilligen geplant und durch zwei ehemalige Freiwillige geleitet wurde.
Es gab eine Menge Gesprächsbedarf, besonders was unsere Arbeit, die Kommunikation zwischen den Einsatzstellen und eine verbesserte Kooperation anging. Aber auch persöhnliche Themen, wie z.B. das Leben in den Gastfamilien, Freunde, Heimweh und Integration wurden viel diskutiert, sodass wir alle erleichtert und zufrieden das Seminar am 10.01 beendeten.

Eigentlich hatten Felix und ich geplant anschließend die Ostküste hochzufahren und schließlich über Tanga und Lushoto nach Arusha zurückzukehren. Dieser Plan änderte sich jedoch schnell, da andere Freiwillige von "Mafia Island" schwärmten, die südlichste Insel des Sansibar-Archipels, dessen Tauchreviere zu den Besten zählen. Da Felix und ich eh an Mafia interessiert waren und zudem Godfrey, ein tansanischer Freund aus Arusha, die Insel besuchen wollte, waren wir schnell überredet.
Sechs Freiwillige, unter ihnen auch Felix, fuhren bereits am 12.01 nach Mafia Island. Ich wartete in Dar es Salaam noch einen Tag auf Godfrey, sodass wir dann am Freitag den 13.01. ebenfalls, nach einer durchaus abenteuerlichen Fahrt, am "Hafen" von Mafia ankamen.
Am nächsten Tag fuhren wir gemeinsam auf die kleine Insel Chole, wo wir für günstiges Geld in dem Haus einer Einheimischen unterkamen. Auf dem Weg von Mafia nach Chole Island (ca.1 km) konnten wir nicht wiederstehen ein kleines Bad im indischen Ozean zu nehmen...




















 Auch, wenn der größte Teil Mafias noch nicht vom Tourismus eingenommen ist (vermutlich wegen der schrecklichen Überfahrt, ansonsten gibt es (bisher) nur die Möglichkeit mit dem Flugzeug von Dar es Salaam oder Arusha überzusetzen), haben sich mache Einwohner schon auf den kommenden Tourismus eingestellt inklusive der typischen Floskel "Hakuna matata", welche streng genommmen falsches Kiswahili ist.
Am folgenden Tag waren wir an den Korallenriffs schnorcheln. Die Vielfalt der Fischarten war tatsächlich atemberaubend und das Wasser wunderschön klar und warm, sodass man schnell die Zeit außer Acht ließ...
Trotz großer Mengen Sonnencreme konnten die meisten von uns keinen Sonnenbrand vermeiden.
Nachmittags ging es dann wieder zurück zur "Hafenstadt" Kilindoni, dort wo wir auch die erste Nacht verbracht hatten. Für 8000 Tsh (ca. 4 €) schliefen wir, wie auch in der ersten Nacht, in einem Gästehaus, welches durch uns sicherlich einen guten Umsatz erzielte, da es jedes Mal durch uns so gut wie ausgebucht war.
Am frühen Morgen liehen Godfrey und ich uns jeweils zwei Motorräder aus, um bis an das Ende der Insel zu kommen (so war jedenfalls anfangs der Plan). Nachdem wir an der einzigen Tankstelle getankt hatten, ging es die einzige Straße in Richtung Norden. Die Straßen waren zum Teil aber sehr schlecht, sodass wir auf kleine Wege ("Abkürzungen") ausweichen mussten. Gegen Mittag, nach ca. 40 km erreichten wir Kanga und wurden liebevoll von Tansaniern bekocht und versorgt. Uns wurden sogar frische Kokusnüsse serviert, die kurz vorher von einem Tansanier ergattert worden waren.
Gestärkt wollten wir darauf an den Strand fahren, die Anfahrt war jedoch sehr beschwerlich und dummerweise war genau in diesem Moment Ebbe, sodass wir nur kurz am Strand verweilelten bevor es im Licht der Abendsonne zurück nach Kilindoni ging.


Das eigentlich Highlight jedoch stand mir noch bevor. Schwimmen und Tauchen mit dem größten Fisch der Welt, dem Walhai.
Die anderen Freiwilligen hatten schon am ersten Tag das Privileg, da Godfrey und ich ja einen Tag später kamen, holten wir dies Erlebnis am letzten Tag nach.
Das war das erste Mal in meinem Leben einem solchen Tier so nahe gewesen zu sein und ich kann es nur jedem empfehlen.
Es ist ein wahnsinniges, unglaubliches Gefühl.




Dienstag, 20. Dezember 2011

Maji ya moto

Seit letztem Wochenende hat Matthias wieder mal den Landrover von DTPower, da diesen Monat weitere 70 Solarsysteme installiert werden. Und nach Hergens letztem Bericht über den Oldonyo Lengai und die Höhlenmalereien in Kolo könnt ihr euch ja wahrscheinlich schon denken was das heißt: Trips „into the bush“, denn mit einem Landrover kann man einfach die unerschlossenste Orte erreichen.
So haben wir uns letztes Wochenende mit einer diesmal ziemlich internationalen Gruppe, bestehend aus Deutschen, Franzosen und Weißen die schon lange hier wohnen, Englisch sprechen und deren Ursprung schwer definierbar ist, zu Maji ya Moto (heißen Quellen) aufgemacht.
Meine Erwartungen hierzu bestanden aus heißem, blubberndem Wasser mitten in der Steppe, in dem man kaum baden könnte, und den gesamten Weg über sah es auch so aus. Als wir jedoch ankamen, sahen wir eine paradiesische Oase wie aus Kinderträumen vor uns:


Klares, angenehm warmes Wasser (vermutlich um die 30°C) in der Größe mehrerer, durch Kanäle verbundener Swimmingpools, Mangroven und Palmen an den Rändern und schlafende Fledermäuse an den Palmenblättern. Der einzige Störfaktor waren ein paar Autos und einige Touristen, denn obwohl der Ort schwer zu erreichen ist, scheint Maji ya Moto schon ein bisschen bekannt geworden zu sein. Die Höhepunkte waren übrigens eine Seilschaukel über das Wasser, und Bäume, von denen man nach kurzer Kletterei ins Wasser springen konnte.


Das Wasser kommt übrigens aus mehreren großen Löchern an den Rändern und am Boden. Zum Glück hatte einer der Franzosen eine Taucherbrille dabei, mit der wir ein bisschen hinunter tauchen konnten und da das Wasser direkt aus der Erde kommt, konnte man es sogar trinken.
Neil, einer der beiden einheimischen Weißen, erklärte uns später, dass unter dem ganzen Gebiet ein Aquifere, also ein unterierdisches Wasserreservoir liegt, das die Quellen speist. Und da es an dieser Stelle offen ist, fließt es in Maji ya Moto einfach aus und bildet ein weiteres Highlight der tansanischen Natur.


So, genug der Touristenattraktionen! Jetzt geht es wieder an die Arbeit – versprochen!